WAZ 28.06.2024 von Sascha Döring
Beate Lubek hat vor 27 Jahren die Kita „Die Brücke“ in Langenberg mit aufgebaut. Jetzt geht sie in den Ruhestand, ihr Nachfolger steht schon fest
Beate Lubek sitzt an ihrem Schreibtisch, Sonne fällt durch das offene Fenster, im Hintergrund ist fröhliches Kindergeschrei zu hören. Die Leiterin der Kita „Die Brücke“ lächelt, schließlich sind ihr diese Geräusche mehr als vertraut. Vor 27 Jahren gehörte sie zu dem Team, das die Kindertagesstätte in Bonsfeld mit aufgebaut hat. Doch nun ist Schluss, der letzte Arbeitstag in Sicht. „Ich werde Vieles vermissen“, sagt sie. „Die gemeinsamen Frühstücke, die Arbeit mit den Kindern. Das wird mir fehlen.“
Angefangen hat die Geschichte der „Brücke“ 1997: „Damals gab es immensen Bedarf an Kita-Plätzen, wir hatten hier Raum zur Verfügung“, blickt sie zurück. Wir, das ist der „Die Brücke Diakonieverein“ der Christus Gemeinde Velbert, die Bonsfelder Kita bis heute die einzige in Velbert, die in Trägerschaft einer evangelischen Freikirche betrieben wird.

Die Kita „Die Brücke“ in Velbert-Langenberg: Leiterin Beate Lubek geht nun in den Ruhestand, ihr Nachfolger wird Matthias Höhn – der selbst in Bonsfeld groß geworden ist. © Sascha Döring | Sascha Döring
Plan für die Kita „Die Brücke“ stand in nur 14 Tagen
„Also haben wir uns gesagt: Wir machen eine Kita auf.“ Innerhalb von 14 Tagen habe der Plan gestanden, „der Architekt hat übers Wochenende einen Plan entworfen“, erinnert sich die scheidende Leiterin. Und das Tempo sei hoch geblieben: „Nach einem Dreivierteljahr waren wir fertig.“ Blieb nur noch die Frage der Leitung: „Ich bin gefragt worden: Machst Du das? Ich habe zugestimmt, der Landschaftsverband auch und so konnten wir loslegen.“ Zunächst mit nur einer Gruppe, doch schon 2002 kommt die zweite dazu. „Damals gehörte das Haus hier noch der Familie Hoops. Die hat uns immer toll unterstützt, dafür sind wir immer noch sehr dankbar“, sagt Beate Lubek.
Kita „Die Brücke“ erhält eine dritte Gruppe
Wiederum fünf Jahre später kommen die ganz Kleinen dazu: „Die Überlegung damals ging schon in die Richtung, ob das nicht zur früh ist, die Kinder so jung schon von den Eltern zu trennen.“ Aber: Eine der Kolleginnen habe bereits Erfahrungen in dem Bereich gehabt und habe sich bereit erklärt, diese Gruppe aufzubauen.

Großer Bahnhof: Velberts Bürgermeister Dirk Lukrafka besuchte die Kita „Die Brücke“ zur 20-Jahr-Feier im Oktober 2017. © FUNKE Foto Services | Uwe Möller
Mit nun drei Gruppen hat die Kita die heutige Größe erreicht. 55 Kinder sind jeden Tag hier an der Bonsfelder Straße, „viele davon Kinder von Ehemaligen“, sagt Beate Lubek. Denn Bonsfeld ist ein Dorf, „man kennt sich“. Sie selbst ist hier aufgewachsen, lebt nach wie vor im Stadtteil.
Bonsfeld ist mehr als nur Arbeitsplatz
„Nervt Dich das nicht, wenn Du in Deiner Freizeit auf Eltern und Kinder triffst?“ Diese Frage bekomme sie immer mal wieder von Kolleginnen oder Kollegen gestellt. „Ganz klar: Nein.“ Denn sie kenne es einfach nicht anders: „Mein Vater war Hauptbrandmeister, der hat auch jeden hier gekannt. Ich bin so groß geworden.“
In Bonsfeld aufgewachsen ist auch ihr Nachfolger. Matthias Höhn gehört seit drei Jahren zum Team der Brücke und wird nun die Leitungsfunktion übernehmen. „Ich kenne noch viele Leute von damals: Einige sind nie weggezogen, einige sind inzwischen wieder zurück in Langenberg.“
„Arbeit mit den Eltern ist auch sehr wichtig“
Er schätze die familiäre Atmosphäre: „Uns ist wichtig, dass wir ein gutes Verhältnis nicht nur zu den Kindern haben, sondern auch zu den Eltern“, betont er. „Die vertrauen uns schließlich ihr Wertvollstes an, ihren Nachwuchs. Und wenn die Eltern sicher sein können, dass es ihren Kindern bei uns gut geht, können wir mit den Kleinen auch ganz anders arbeiten.“

Im Jahr 2014 schließen sich die Kitas „Deilbachstrolche“, „Villa Regenbogen“, „Die Brücke“ und „Haus in der Sonne“ zum Familienzentrum Langenberg Nord zusammen, 2015 erfolgt die Zertifizierung. © WAZ FotoPool | Uwe Möller
Natürlich erfordere das manchmal sehr viel Geduld, „jeder Mensch ist eben anders“. „Aber es lohnt sich. Die Eltern sollen wissen, dass sie mit uns über alles reden können, zu jeder Zeit.“ Und, ergänzt Beate Lubek, „wir spiegeln den Eltern auch immer: Ihr seid die Fachleute für euer Kind“.
Neuer Leiter kann auf eingespieltes Team setzen
Dass nun ein Mann an der Spitze der Kita steht, sei zumindest in Bonsfeld kein Problem, sagt Matthias Höhn. „Ich gehöre zwar noch immer einer seltenen Erzieher-Spezies an, aber es werden zunehmend mehr Männer, die in diesem Beruf in die Ausbildung gehen.“ Das sei auch wichtig, „denn Kinder reagieren ganz anders auf männliche Erzieher“.
Was ihm den Start erleichtern dürfte: Matthias Höhn kann auf ein eingespieltes Team zurückgreifen: „Altersmäßig sind wir gut gemischt und fast alle sind schon relativ lang dabei.“ Heißt: „Bis auf wenige Ausnahmen sind die Kolleginnen alle mindestens zehn Jahre dabei.“

Matthias Höhn hat bereits Erfahrung als Leiter einer Kita gesammelt: 2014 hatte er beispielsweise diese Aufgabe im „Kinderreich“ in Neviges inne. © WAZ FotoPool | Detlev Kreimeier
So kann er sich in seiner neuen Funktion auch erst einmal in Ruhe eingewöhnen: „Ich muss ankommen“, sagt er, „meine neue Rolle annehmen. Auch im Team gibt es neue Rollen, auch das muss zusammenwachsen“. Beate Lubek will sich ebenfalls Zeit nehmen, in ihrem neuen Lebensabschnitt ankommen.
„Langsam an den Ruhestand gewöhnen“
„Mein Mann ist jetzt auch zu Hause, er war Vorsitzender des Trägervereins und hört ebenfalls auf.“ Die beiden wollten „durchatmen, alles auf uns zukommen lassen“. Denn zu Hause sei einiges liegen geblieben. „Und wir werden bestimmt viel unterwegs sein, die Enkel besuchen zum Beispiel. Also langweilig wird uns ganz bestimmt nicht.“
Außerdem muss sie ja auch für den neuen Chef noch erreichbar sein: „Wenn er im Keller mal was nicht findet, kann er mich gerne anrufen“, sagt sie lachend. „Wenn man mit Kindern viel Memory spielt, dann kann man sich auch andere Dinge sehr gut merken.“ Allerdings: Vor dem Durchatmen steht noch eine letzte Veranstaltung.
An diesem Samstag verabschiedet sich Beate Lubek auf dem Sommerfest von „ihrer“ Kita. Und stellt ihren Nachfolger vor: „Ich kenne Matthias ja jetzt schon länger“, sagt sie. „Und ich bin mir ziemlich sicher, dass wir mit ihm eine gute Entscheidung getroffen haben.“